Dienstag, 3. Mai 2016



Inhaltsverzeichnis

Zum Anwählen der Beiträge in der "Blog-Archiv" Box auf den Pfeil nach Unten klicken und in der Drop-down Liste den entsprechenden Monat anklicken.

Mai 2016         Waren Juden ständig im Land präsent?

Okt 2015         Zur aktuellen Welle der Gewalt 2015

Aug 2015         Maale Adumim

Mär 2015         Wahlergebnis 2015

Nov 2014         Rechte Parteien und ihre Parteiprogramme

Jul 2014          Zum letzten Konflikt im Gazastreifen

Jun 2014         Empfehlenswerte Quellen

Apr 2014         Der Internationale Gerichtshof zum Bau der Absperranlage

Mär 2014         Zum Thema Wasser

Jan 2014         Zum Thema Apartheid

Nov 2013         Zum Thema Beschneidung

Nov 2013         Maale Adumim in der You Tube

Nov 2013         Zum legalen Status des Westjordanlandes

Jun 2013         Warum Siedlungen auf Hügeln sitzen

Mär 2013         Zum EU Jahresbericht zur Lage in Jerusalem von 2012

Dez 2012         E1 Impressionen


Waren Juden ständig im Land präsent?

Das Narrativ der Palästinenser möchte es so darstellen als seien die Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels (dessen Existenz sie in Frage stellen) um 70 n. Chr. durch die Römer aus dem Land vertrieben worden. Rund 1800 Jahre später erinnerten sich Juden an diese Geschichte und kamen auf die Idee an diesem Ort eine Autonomie zu gründen. Und so kam 1880 die erste Einwanderungswelle aus Osteuropa. Doch was war davor? Nur rechtschaffende, bodenständige Palästinenser die nicht ahnten daß ihnen eine Zionistische Invasion bevorsteht? Neulich habe ich im Zeitforum wiedergegeben was mir meine Mutter schon in meinen Kindertagen erzählte, daß nämlich seit dem Auszug aus Ägypten und dem 40 Jahre später erfolgenden Einfall in Kanaan ständig Juden in vier Städten im Land gelebt haben. Dies wurde von einem Mitforisten "vom Tisch gewischt" woraufhin ich mich hilfesuchend an die Wikipedia wandte. Das Ergebnis in alphabetischer Reihenfolge.

Hebron: bis 1914 standen die jüdischen Bewohner der Stadt unter französischem Schutz. Zum einen gab es die frisch hinzugekommenen Ashkenasim, zum anderen die alteingesessenen Sepharadim, die sich wie die Araber kleideten und auch Arabisch sprachen. Beide Gemeinden beteten in eigenen Synagogen, hatten eigene Schulen und heirateten nicht mal untereinander. 1850 bestand die jüdische Bevölkerung der Stadt aus 45-60 Sephardischen Familien und 50 Ashkenasischen Familien aus Polen und Russland die 1823 eingewandert waren. 1659 gründete ein Abraham Pereyra aus Amsterdam in der Stadt eine Yeshiva/Betschule die viele Schüler anzog. Vor ihm, um 1540 gründete Malkiel Ashkenazi, ein Rabbiner aus Saloniki, der sich mit Kabbala/Mystik befasste, eine Synagoge. Zu dieser Zeit lebten 8-10 jüdische Familien in der Stadt. 1481 fand der jüdisch italienische Reisende Meshulam von Volterra 20 jüdische Familien in der Stadt. Die kurz danach stattfindende spanische Inquisition brachte viele sephardische Juden in die ottomanischen Provinzen und so auch einen langsamen Zustrom in das Land mit einigen Kabbalisten/jüd. Mystikern die sich in der Stadt niederliessen. Geniza Dokumente aus dem 9ten Jhdt. Beschreiben eine Synagoge in der Stadt, neben dem Grab der Patri- und der Matriarchen mit einer organisierten jüdischen Gemeinde die sich um die Versorgung von jüdischen Pilgern und Kaufleuten kümmerte. Geniza ist eine Sammlung von etwa 300.000 Dokumenten aller Art die in einer Synagoge in der Kairoer Altstadt gefunden wurden. Die ältesten sind aus dem Jahre 870 n. Chr bis zum 19 Jhdt. Dazu muss man wissen daß Schriftstücke auf denen der Name des Herrn geschrieben steht nicht vernichtet, sondern begraben werden. In diesem Fall wurden sie in eine halbverborgene Nische in einer Synagoge abgelegt, die sich langsam auffüllte bis ihr historischer Wert gegen Ende des 19 Jhdt. erkannt und die Dokumente nach England gebracht wurden.
Laut Anton Kisa, einem deutschen Kunsthistoriker des späten 19 Jhdt.(Das Glas im Altertum ), gründeten Juden aus Hebron schon im 9ten Jhdt. n. Chr. die bis heute dort ansässige Glasindustrie. Zu Beginn der islamischen Ära (um 638 n. Chr.) wurde den Juden erlaubt wieder in der Stadt zu wohnen und auch eine Synagoge dort zu errichten. Hebräische Siegel aus der Zeit um 700 v. Chr. die in Lachish gefunden wurden verweisen auf einen König von Hebron. Die Stadt war im Altertum ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum, strategisch günstig gelegen mit dem Toten Meer im Osten, Jerusalem im Norden, Negev und Ägypten im Süden und die Küstenebene im Westen.

Jerusalem 1845 erarbeitete der preussische Konsul in Jerusalem eine Aufstellung der Einwohner. Ihr zufolge hatte die Stadt 16.410 Einwohner, davon 7.120 Juden, 5.000 Moslems, 3.390 Christen, 800 türkische Soldaten und 100 Europäer. 1836 erlaubte Ibrahim Pasha, der Gouverneur von Ägypten den Wiederaufbau von vier Synagogen in der Stadt. 1187 erlaubte Sultan Saladin den Juden in die Stadt zurückzukehren nachdem sie 1099 bei der Eroberung durch die Kreuzritter ermordet oder vertrieben worden waren. Diese Eroberung beendete eine Blütezeit die etwa hundert Jahre zuvor begonnen hatte, nachdem im Jahre 638 nach der Eroberung durch das islamische Kalifat Juden wieder in der Stadt wohnen durften. Dies nachdem es seit der Zerstörung des zweiten Tempels und Vertreibung der Juden aus der Stadt im Jahre 70 n. Chr. durch die Römer keine Hinweise für ihre Anwesenheit in Spätrömischer und Byzantinischer Zeit gibt. Aus der Zeit vor der Zerstörung des Tempels finden sich auf dem Hügel gegenüber der Altstadt Gräber von Priestern des Tempels mit entsprechenden Inschriften. Auch eine Gruft in der einer Inschrift zufolge ein Priester liegt, der nach Babylon verschleppt wurde (586 v. Chr.) und dessen Leichnam hierher gebracht wurde um ihn an dieser Stelle zu beerdigen. Vor Ort findet sich auch der Hiskija-Tunnel mit einer entsprechenden Inschrift auf Alt-Hebräisch der dem amerikanischen Archäologen Edwin R. Thiele zufolge von dem judäischen König mit ebendiesem Namen, etwa um 700 v. Chr. gebaut wurde.
Wer also greifbare Beweise für eine jüdische Präsenz in der Stadt fordert findet sie um etwa 700 v. Chr., 300 Jahre nach König David, aber auch schon ziemlich lange her. Im Jahre 586 v. Chr. kam mit der Zerstörung des ersten Tempels durch die Perser das aus für das jüdische Königreich. Die Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer um 70 n. Chr. kann als gesichert angenommen werden, setzt aber die Errichtung des Tempels voraus. Um 379 v. Chr. erlaubte der persische Herrscher den Juden die Rückkehr – 42.000 Juden sollen davon Gebrauch gemacht haben. Von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zur Errichtung des islamischen Kalifats knapp 600 Jahre später finden sich keine Hinweise für die Anwesenheit von Juden in der Stadt. Danach nur vereinzelt, allerdings bildeten Juden seit 1845 bis heute die Mehrheit der Bevölkerung.
Safed Schon 1809 und 1810 kamen litauische Juden nach Safed. Davor, nämlich um 1776 und um 1781 kamen russische Juden in die Stadt. Schon um 1625 schreibt Franciscus Quaresmius, ein italienischer Orientalist daß die Stadt vornehmlich von Juden bewohnt war, die Synagogen und ihre eigenen Schulen unterhielten. Wieviele Synagogen? Einer Aufstellung von 1584 zufolge waren es 32. Dies hängt mit der spanischen Inquisition von 1492 zusammen, in deren Folge viele Rabbiner ihren Weg in diese Stadt fanden. Zu der Zeit war die Stadt ein Zentrum des jüdischen Mystizismus. Um 1553-4 wurden in der Stadt 716 jüdische Haushalte und 56 jüdische Junggesellen gezählt. 1525-6 waren es lediglich 232 jüdische Familien gewesen. Ein französischer Rabbiner der die Stadt um 1210 besuchte berichtete von einer jüdischen Gemeinde mit etwa 50 Mitgliedern. Infolge seiner Berichte kamen 300 englische und französische Juden in das Land um sich dort anzusiedeln. Die Stadt wird auch im Jerusalemer Talmud aus dem 4 – 5ten Jhdt. erwähnt. Und schon in den Berichten des jüdischen Historikers in römischen Diensten, Josephus etwa um 70 n. Chr. findet die Stadt Erwähnung.
Tiberias: 1912 hatte die Stadt 6.500 Einwohner, davon 4.500 Juden. 1901 hatte die Stadt 3.600 Einwohner, davon 2.000 Juden. 1850 gab es in der Stadt 3 sephardische Synagogen für 80 Familien und 100 aschkenasische (polnische und russische) Familien. Als die Stadt 1837 von einem starken Erdbeben getroffen wurde starben 500 Juden. Fünf Jahre später hatte die Stadt bereits 3.900 Einwohner, ein Drittel davon Juden. 1780 siedelten polnische Juden in der Stadt. Zahir al-Umar (1720 – 42), Scheich und autonomer Herrscher in Nord-Palästina lud Juden ein sich in Tiberias anzusiedeln. Er lud den Rabbiner Chaim Abulafia aus Smyrna ein die jüdische Gemeinde der Stadt wiederaufzubauen. Dies nachdem die Stadt 1660 von Drusen zerstört worden war und im Unterschied zum ebenfalls zerstörten Safed, Juden die Stadt verlassen hatten. 1558 erhielt eine portugiesisch stämmige Marrano, Donna Gracia, die Gewähr zur Steuereintreibung in der Stadt und ihrer Umgebung durch Sultan Süleyman den Prächtigen. Sie erhielt die Genehmigung eine jüdische Autonomie einzurichten da sie die Stadt zu einer jüdischen Fluchtburg ausbauen wollte. 1561 wurde ihr Neffe, Josef Nasi, Fürst von Tiberias und lud Juden ein dorthin zu kommen. Mit einem Dekret des Sultans wurden die Stadtmauern erneuert und der Grundstein für die lokale Seidenherstellung gelegt indem Maulbeerbäume gepflanzt wurden und Fachleute vor Ort gebracht wurden. Zu Beginn des 12 Jhdt. zählte die jüdische Gemeinde in der Stadt 50 Familien. Vom 8ten bis zum 10ten Jhdt. War die Stadt ein Zentrum jüdischer Gelehrter. Das 8te Jhdt. war das goldene Zeitalter der Stadt, sie galt als eine der tolerantesten, multikulturellen Städte im westlichen Asien. Nach der Eroberung des Landes im Jahre 638 durch die Moslems erhielten 70 Familien aus Tiberias die Erlaubnis die jüdische Gemeinde von Jerusalem neu zu gründen. Schon im 6ten Jhdt. war die Stadt ein Zentrum jüdischen Lernens. Warum ist eine Stadt in Galiläa, 160 Km von Jerusalem entfernt, derart wichtig? Obwohl erst im Jahre 20 n. Chr. gegründet, wurde die Stadt nach der Vertreibung aller Juden aus Jerusalem um 135 n.Chr. in Folge des jüdischen Bar-Kochbah Aufstandes mit dem benachbarten Sepphoris zu einem jüdisch-kulturellen Zentrum. Sie konnten sich in ihrer Bedeutung für die jüdische Welt mit Babylon, Alexandria, Aleppo und dem Perserreich messen. Der Sanhedrin, der höchste jüdische Gerichtshof, kam im Jahre 150 n. Chr. in die Stadt. 13 Synagogen gab es hier im 2ten Jhdt.. Bis zum 10Jhdt. war dies die größte jüdische Stadt in Galiläa und ein wichtiges jüdisches Zentrum mit landesweiter Bedeutung.
In Safed und Tiberias fanden die jüdischen Gelehrten nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n. Chr. Zuflucht. Die 35 Km. voneinander liegenden Städte entwickelten sich zu den wichtigsten Zentren jüdischen Lernens im Land. Daher finden sich auch kontinuierlich Belege für eine jüdische Präsenz in beiden Städten.
 
 

 

Montag, 19. Oktober 2015

Zur aktuellen Welle der Gewalt 2015


Ich habe mir die Mühe gemacht all die Angriffe der letzten Zeit aus den israelischen Medien aufzulisten. Es ist eine traurig lange Liste die den normalen Westeuropäer wohl kaum interessieren wird. Viel interessanter ist die Frage nach der Ursache. Was bringt den breiten Palästinensischen Mann auf der Strasse und auch die Frau dazu wutentbrannt mit Messern auf Juden loszugehen? Obwohl es an Palästinensern und Ost-Jerusalemern in meiner Umgebung nicht mangelt tue auch ich mich mit der Erklärung nicht leicht.
Die Auflistung zeigt daß die meisten der Angreifer männliche Teenager aus Ost-Jerusalem sind. Da sie sich als Bewohner des wiedervereinigten Jerusalem in Israel frei bewegen können ist es eigentlich nicht so verwunderlich. Aber was ist das Motiv? Etwa die Unterdrückung durch den zionistisch, kolonialistischen, rassistischen Agressor? Nein, das kann nicht so ganz stimmen, denn die Ost-Jerusalemer haben zwar nicht die israelische Staatsangehörigkeit, aber wie gesagt Bewegungsfreiheit und sie haben das kommunale Wahlrecht. Sie können ihre eigenen Vertreter in den Stadtrat wählen, die sich dann um ihre Belange kümmern würden. Warum schreibe ich "würden"? Weil sie die Kommunalwahlen boykottieren um so kundzutun daß sie die Wiedervereinigung Jerusalems von vor 48 Jahren nicht akzeptieren wollen. Und so müssen sich die jüdischen Stadträte entscheiden ob sie Geld in diese Stadtteile investieren oder in die meist ebenfalls ärmlichen Stadtteile der religiösen Juden. Ich habe ab und zu in einer arabischen Mädchenschule zu tun. Sie wurde letztes Jahr renoviert, ein Klassenraum mit PCs inklusive.

Es scheint eine Ursache zu geben die auf fast jeden Ost-Jerusalemer, Westjordanländler, Gazastreifler und sogar arabischen Israeli wirkt als hätte man ihn oder sie in den Bauchnabel gepiekst.
Ich schaue auf den ersten Anschlag in meiner langen Liste. Es ist der Steinwurf der am Abend des am Abend des jüdischen Neujahrsfestes, dem 14.9., die Scheiben des Autos von Alexander Levlovich, 64 zertrümmerte. In der Folge verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug welches gegen einen Baum fuhr und in einem Graben landete. Levlovich starb, zwei Mitfahrerinnen wurden verletzt. Einer der Täter, der 19-jährige Abad Dawiyat aus dem benachbarten Sur Baher gab an die Tat bewusst an diesem Abend geplant zu haben. Dies als Rache für das israelische Vorgehen am Tempelberg.

Was also ist auf dem Tempelberg los?
Am Vortag hatten sich Palästinensische Jugendliche in der Al-Aksa Moschee auf dem Tempelberg verschanzt. Da dies unmittelbar vor dem jüdischen Neujahrsfest geschah an dem der darunterliegende Vorplatz der Klagemauer voller Menschen ist, drang die Polizei in die Moschee ein um den Unruhen ein Ende zu setzen. Bisher galt das Innere der Moschee in einer ungeschriebenen Vereinbarung mit dem Wakf als "freio".

Hier ist es nötig auf den Status Quo einzugehen. Seine derzeitige Form ist einem erstaunlichen Umstand zu verdanken. Als Nord, Ost und Süd-Jerusalem 1967 von Israel erobert wurde gab Verteidigungsminister Dayan dem Wakf das Recht den Tempelberg zu verwalten, der uns Juden als heiligster Ort gilt, dies weil sich dort der Haram al Sharif und die Al-Aksa Moschee befinden.
Der Tempelberg ist ein 300 x 600 Meter grosses Areal. Zweimal am Tag dürfen seither Nicht-Moslems dieses Areal besuchen, dürfen dabei allerdings weder beten noch die Moschee betreten. Der jordanische König hat seit der Mandatszeit das Schlüsselrecht, der muslimische Wakf verwaltet,und Israel ist für die Sicherheit zuständig. Bauarbeiten müssen mit der israelischen Archäologiebehörde abgestimmt werden – der Wakf pfeift allerdings darauf.
In letzter Zeit haben Nationalreligiöse Aktivisten das Besuchsrecht dazu genutzt in grossen Gruppen auf den Berg zu kommen und zu singen – und wer weiß, wahrscheinlich in dem Getümmel auch zu beten. Als Gegenmaßnahme hat die Islamische Bewegung in Israel die Murabitat gebildet – die Verteidiger des Glaubens. Es funktioniert so: wenn ein Wakf Vertreter am Eingang zum Berg verdächtige Personen sieht, telefoniert er mit den Murabitat, meist eine Gruppe von älteren Frauen die unweit des Einganges auf dem Tempelberg sitzt. Sobald sich die Verdächtigen nähern bricht ein lautes "Allah hu Akbar"- Geschrei los. Im September wurde diese Gruppierung von der Regierung verboten was zu begrüßen ist. Allerdings steht die israelische Regierung in der Verantwortung auch dafür zu sorgen daß keine Provokationen von der nationalreligiös israelischen Seite vorkommen denn sie sind es die der Islamischen Bewegung Israels und der Hamas als Vorwand dienen um ihr Palästinensisches Publikum aufzuhetzen.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Murabitat

Dienstag, 4. August 2015

Meine Siedlung


Was ist das für eine Siedlung die unweit von Jerusalem jenseits der Grünen Linie liegt, einen eigenen Siedlungsblock darstellt und mit ihren über 40.000 Einwohnern in sämtlichen EU Jahresberichten erwähnt wird?
Sie liegt im Westjordanland in der Zone C, die dem Osloer Abkommen entsprechend unter Israelischer Verwaltung steht. An dem einen Ende ist sie 7 Km und an dem anderen Ende 11 Km von der Grünen Linie entfernt.

Eines der Mosaiken beim Barmherzigen Samariter
Das Siedlungsgebiet, einschließlich Industriegebiet umfasst großzügige 50 QKm (48.000 Dunam). In dieser Fläche sind ebenso Truppenübungsplätze wie die Überreste zweier byzantinischer Einsiedlerklöster und eine Zollstation aus ottomanischer Zeit enthalten. Letztere ist als Barmherziger Samariter besser bekannt. Heute findet man dort ein Museum mit Mosaiken aus römischer und byzantinischer Zeit und kann auch eine Wohnhöhle besichtigen die seit der frühen Eisenzeit genutzt wurde.

Die Überreste des Martyriusklosters in Maale Adumim

Das Klima ist im Winter nicht so kalt wie in Jerusalem weil man durch den Bergrücken auf dem Jerusalem liegt von den Niederschlagsreichen Westwinden vom Mittelmeer geschützt ist. Dafür liegt aber die jährliche Niederschlagsmenge zwischen 160 und 400 mm. Tagsüber ist es heiß und angenehm trocken und nachts kann es kühl werden.

Die Überreste des Hortymiusklosters in Mishor Adumim


Der Name kommt aus dem Alten Testament, dem Buch des Josua, Kap.15, Verse 6 – 18 (15:7,18:17). Dort wird diese Gegend als Grenze zwischen den Territorien der jüdischen Stämme Benjamin und Judah erwähnt. Der Name bedeutet Rotsteig und bezieht sich auf die Felsen die den alten Handelsweg von der Jordansenke rauf nach Jerusalem säumten, denn im Sandstein fand sich eine rote Maserung.
Nein, keine Kathedrale sondern die riesige Zisterne des Hortymiusklosters


Entstehungsgeschichte

Bis 1965          König Hussein von Jordanien lässt eine Verbindungsstraße von Amman nach Jerusalem bauen. Seine Familie bekam von den Briten das Hausrecht auf dem Tempelberg und außerdem lässt er auf dem Bergkamm, etwas weiter nördlich eine Supermoderne Villa für die Sommermonate erbauen. Sie bleibt unvollendet – der Rohbau kann heute in der Nähe des jüdischen Stadtteils Pisgat Zeev besichtigt werden. Die arabischen Dörfer um Ostjerusalem haben weder Strom noch fließend Wasser. Nur gelegentlich dürfen einige Juden an der Klagemauer beten. Alle anderen können von einem Aussichtspunkt im jüdischen Stadtteil Talpiot aus auf den Tempelberg schauen.
1967    Israel hofft daß der jordanische König sich nicht am Krieg beteiligen wird. Er tut es aber doch. Innerhalb von zwei Stunden stehen jordanische Truppen in Jerusalem. Trotzdem kommt das Westjordanland in israelische Hand und damit auch Nord- Ost und Südjerusalem. Nachdem die Stadt nun endlich wieder geeint ist soll sie nie mehr geteilt werden. Der Zugang zur Klagemauer der vorher hinter ärmlichen Schuppen verborgen war wird freigeräumt und das zerstörte jüdische Viertel in der Altstadt modern wiederaufgebaut.
1973    Yom Kippur Krieg; Israel ist trotz Vorwarnungen unvorbereitet und verliert diesen Krieg fast. Vielen Israelis wird klar daß man trotz des erfolgreichen 6-tage Krieges nicht unbesiegbar ist.
1974    Es gibt verschiedene Initiativen das Westjordanland zu besiedeln um die Sicherheitslage zu verbessern. Allen voran eine "Die Grüne Linie auslöschen" Aktion der nationalreligiösen Gush Emmunim Bewegung. In Jerusalem bildet sich ein Garin = Kern, eine Initiative die im Gebiet östlich von Jerusalem, an der Strasse runter zur strategisch wichtigen Jordansenke eine Siedlung gründen möchte um Jerusalem nach Osten hin zu schützen. Der Garin besteht aus einem breiten Spektrum von Aktivisten: Gush Emmunim, Angehörige der Likud Jugendorganisation und auch einige von der linken Mapai die aus einer Initiative zur Stadtteilerneuerung kommen. Dort wo die Aktivisten vom Militär aufgehalten werden beschließen sie die Siedlung zu gründen.
Die regierende Mapai Linksregierung beschließt dort ein Industriegebiet zu errichten und willigt ein daß Behausungen für die dort Arbeitenden errichtet werden. Das Gebiet ist zu der Zeit völlig unbesiedelt da es kein Wasser gibt.
1975    Der Garin errichtet im Frühjahr das erste Haus, es ist eine sogenannte Ashkubit, ein Gebäude aus Betonfertigteilen. Die Wasserleitung kommt vom Jerusalem (vom French Hill). Nach langen Diskussionen in der Regierung wird die Behausung durch das Militär geräumt.
Zum Unabhängigkeitstag wird das geräumte Haus in eine Synagoge umfunktioniert die rund um die Uhr bemannt ist. Hier finden Gebete und Familienfeiern statt und ihre Wochenenden verbringen die Familien hier.
Im Herbst kommen 23 Familien und 6 Unverheiratete in die auf einem 250 m ü.d.M. liegenden Hügel gelegene Siedlung um es zu ihrem ständigen Wohnort zu machen. Einer der Junggesellen, Uri Ariel, wird 38 Jahre später Wohnungsbauminister werden.
Während die Jahalin Beduinen vorher nur im Sommer von Jericho heraufkamen um ihre Schaf- und Ziegenherden hier zu weiden beginnen sie sich nun in der Gegend niederzulassen denn nun gibt es hier Wasser aus der Leitung. Das Verhältnis zu ihnen ist gut. Die 50 Kamele eines Scheichs sind eine Attraktion für die Kinder der Siedler.
1977    Die Wende kommt mit der erstmaligen Wahl einer Likudregierung unter Premierminister Begin. Die Regierung beschließt östlich von Jerusalem, an der strategisch wichtigen Straße runter zur Jordansenke eine Siedlung zu errichten, auch um Jerusalem nach Osten zu sichern.
1979    Die Siedlung neben dem Industriegebiet ist mittlerweile auf 50 Familien herangewachsen und auch eine Yeshiva, ein theologisches Seminar finden sich auf dem Hügel. Als erste Siedlung in der Zone C erhält Maale Adumim den Status einer Gemeinde.
Im selben Jahr findet auch die Grundsteinlegung für die auf dem Reißbrett von einem Herrn Leitersdorf geplante, etwas weiter westlich, in Richtung Jerusalem liegende Siedlung, die, wie die Finger einer Hand, auf den Hügeln oberhalb der Straße nach Jericho liegen soll. Weil 200 Höhenmeter höher ist diese Lage, neben den Ausläufern Ostjerusalems, klimatisch günstiger.
Das 2014 mit Spenden aus den USA erbaute Konsevatorium, dahinter der Veranstaltungssaal mit 570 Plätzen der demnächst fertiggestellt wird. Im Hintergrund die 2005 eröffnete Bücherei mit 85.000 Titeln.
Links das im Jahr 2000 fertiggestellte Rathaus
1982    Die ersten Bewohner beziehen die fertiggestellten Wohnungen in der Siedlung. Erste Läden Kindergärten und Schulen werden eröffnet. Der Garin spaltet sich auf da einige der Aktivisten nicht in einer Siedlung sondern in einer kleineren Siedlung leben möchten.
 1995    Die Siedlung hat nun über 20.000 Einwohner. Im Industriegebiet sind 90 Betriebe ansässig.

2010    Die Siedlung erreicht die 37.000 Einwohner Marke mit 8500 WE auf 6 Siedlungsteile verteilt.

 Seit 2011 wurden keine Grundstücke mehr in Maale verpachtet. Das kostet die Siedlungsverwaltung 10 Mill IS im Jahr, wobei die Steuern nur 40% der Aufwendungen decken. Heute werden pro Jahr keine 100 WE in der Siedlung gebaut, dabei besteht ein Bedarf an Wohnungen für hier aufgewachsene die eine eigene Familie gründen.
Die Skyline von Maale Adumim. Links die Bücherei, dahinter der "alte" Siedlungskern, rechts davon das im Jahr 1999 eröffnete Einkaufszentrum, rechts daneben das Rathaus. Im Vordergrund das Gymnasium meiner Tochter mit Solarkollektoren auf dem Dach.

 

Demografische Eckdaten

In den Medien bekommen wir immer dasselbe Bild von etwas seltsam gekleideten, mit der Bibel fuchtelnden, Siedlern serviert. Mal hört man den Begriff Nationalreligiös, mal Ultraorthodox. Meist sind es amerikanische oder russische Juden die hier "natürlich" nichts zu suchen haben.
560.000 Israelis leben jenseits der Grünen Linie. Kann es wirklich sein daß die alle "aus einem Guss" sind?
Maale hat einen Anteil von 18% Nationalreligiösen und lediglich 1% Orthodoxe. Die meisten, nämlich 50% sind Traditionell Konservative. 31% sind Säkular.
Was sind Traditionell Konservative? Es sind Juden die den Samstag und die übrigen jüdischen Feiertage einhalten, an diesen Tagen in die Synagoge gehen, ohne dabei sämtliche 613 Gebote einzuhalten. Äußerlich sind sie von den Säkularen nicht zu unterscheiden denn diese beiden Bezeichnungen beschreiben eigentlich die Bandbreite der Juden die nicht zu den beiden vorgenannten Gruppierungen gehören.
Nur 2% der Bewohner sind in Nordamerika geboren und nur 11% in Osteuropa. Aus Südamerika kommt ein halbes Prozent, Westeuropa 1%, Asien 1%, Afrika 2%. Und die restlichen 82%? Die sind erstaunlicherweise alle in Israel geboren worden.
Wie wählen die "Maalatis"? In den letzten 5 Parlamentswahlen hat die Wahlbeteiligung zwischen 65 und 81% gelegen wobei der Durchschnitt um die 71% liegt.
Und welche Parteien werden gewählt? Die israelische Parteienlandschaft ist sehr dynamisch, Parteien kommen und gehen, schliessen sich zusammen und trennen sich wieder, daher ist es sinnvoller nach Richtungen aufzuteilen.
Hätten die ausländischen Medien mit ihren Schauergeschichten recht so müßten die Nationalreligiösen um die 105 % liegen. Bei den letzten Wahlen lagen sie bei knapp über 25%, davor schwankten sie zwischen 7 und 21%. Am besten fährt der konservative Likud, der normalerweise bei 30 - 40% liegt. In den beiden vorletzten Wahlen, als die Liebermanpartei separat ohne den Likud lief lag sie beidemale über 15%. Auch die Zentrumsparteien können sich nicht beklagen. Obwohl sie ständig wechseln kommen sie immer auf Ergebnisse die über 10% liegen. Shas, die Partei der religiösen Sefaradim liegt immer zwischen 7 und 10%. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei schafft die 5% Hürde kaum oder garnicht.

Bildung

In Israel stehen Kindern und Jugendlichen drei Bildungswege offen. Zum einen der Orthodoxe, der nach einer Art Grundausbildung zur Yeschiva, dem theologischen Seminar führt. Der Lehrplan ist sehr traditionell mit Schwerpunkt auf Erlernen der Bräuche. Englisch und Naturwissenschaften werden garnicht oder kaum gelehrt. Es gibt auch die säkulare Alternative mit den bekannten Lehrinhalten. Die dritte Alternative liegt dazwischen. Es ist die Nationalreligiös geprägte die die bekannten Lehrinhalte mit den religiösen verbindet. Die beiden letzteren Bildungswege führen zum Abitur.
50% des Siedlungsbudgets gehen in die Erziehung. Es gibt hier ein komplettes Bildungsangebot bis hin zum Abitur. Die Siedlung hat 7 säkulare Grundschulen mit 2650 Schülern, 5 Nationalreligiöse mit 1565 Schülern. 5 säkulare weiterführende Schulen mit 2500 Schülern und 4 nationalreligiöse weiterführende Schulen für 1350 Schüler. Insgesamt 78 Kindergärten mit 2000 Plätzen und 21 Schulen.

Die Schul- und Sportstättenachse der Siedlung
Maale Adumim liegt mit 89.2% an siebter Stelle was den Anteil der Jugendlichen angeht die den Wehrdienst antreten. Von den höher platzierten Städten liegt keine einzige jenseits der Grünen Linie.
Quelle: http://news.walla.co.il/item/2692876
9% der Erwachsenen haben bis zu 12 Schuljahre, 70% haben 12 Schuljahre und Abitur, 18% haben einen Abschluss der mit einem Vordiplom vergleichbar ist und 3% haben ein Diplom oder einen höheren Abschluss.
Wo arbeiten die "Maalatis"? 81% arbeiten in Jerusalem, 13% in Maale Adummim, und 6% woanders.

Mishor Adummim

So heißt das 15 QKm große Industriegebiet mit dessen Projektierung eigentlich alles anfing. Es ist eines der ersten bei dem die Verantwortung vom Industrieministerium der Siedlungsverwaltung übertragen wurde, das war 1998. Von den 15 QKm sind 11 QKm im Besitz von Gewerbebetrieben, 2,5 QKm stehen zur Vermarktung bereit und 2 QKm als Reserve für zukünftige Vermarktung. Damit hat dieses Industriegebiet die größten Gebietsreserven im Großraum Jerusalem.

Gesamtansicht auf Mishor Adumim
Rund 300 Gewerbebetriebe sind bereits hier ansässig, darunter Handel, Autowerkstätten, Nahrungsmittelbranche, Textilverarbeitung, Baustoffhandel, Aluminium- und Metallverarbeitung und Druckereien. Flächen können auch angemietet werden.
Der gesamte Industriepark gilt als Vorzugsförderungsgebiet, was bedeutet daß es günstige Anleihen und Steuererleichterungen für Investoren gibt. Die Gemeindesteuer liegt um fast 50% unter der für Gewerbebetriebe in der Heiligen Stadt nebenan.
2000 Palästinenser finden hier eine Beschäftigung. Die Siedlungsverwaltung beschäftigt desweiteren 70 Jahalin Beduinen in den Sektoren Gartenbau und Strassenreinigung.
Die Firma "Soda Stream" zieht in den Negev um, der auch als staatlich subventionierter Standort gilt. 500 Palästinenser, 450 arabische und 350 jüdische Israelis werden sich dann allerdings einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen.


Mittwoch, 18. März 2015


Wahlergebnis 2015

Nach den dramatischen Wahlen hier in Israel ein kurzes Posting:

Wahlberechtigt waren außer mir noch 5.883.364 Israelis. Die Wahlbeteiligung lag bei 71,8%. Daraus ergibt sich daß 4.224.256 Stimmen abgegeben wurden, und daraus wiederum daß pro Sitz in der Knesset 35.202 Stimmen nötig waren. Die Wahlbeteiligung der arabischen Israelis war noch höher, die höchste seit 1999.

Die Ergebnisse im einzelnen: Likud 29 Sitze / Das Zionistische Lager 24 Sitze / Die Vereinigte Arabische Liste 14 Sitze / Yesh Atid 11 Sitze / Kulanu 10 Sitze / Habait Hajehudi 8 Sitze / Shas 7 Sitze / Jahadut Hatora 7 Sitze / Israel Beiteinu 6 Sitze / Merez 4 Sitze

Der Likud (Verband) das sind die Konservativen. Vor kurzem hat Netanjahu bekanntgegeben daß es unter seiner Regierung keine Verhandlungen mit den Palästinensern geben wird.

Das Zionistische Lager steht für einen Zusammenschluss der Sozialdemokraten mit dem kümmerlichen Rest von Kadima die von Ariel Sharon gegründet wurde und zuletzt von Zippy Livni geleitet wurde. In diesem Lager finden sich ehemalige Aktivisten der Demonstrationen für normalere Verbraucherpreise und jene die einen Fortgang der Verhandlungen mit den Palästinensern befürworten.

Die Vereinigte Arabische Liste ein Zusammenschluss der kommunistischen Partei und noch zwei anderer sektorialer Parteien um die notwendige Mindestzahl an Stimmen sicherzustellen. Dieser Zusammenschluss lehnt eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien ab. Hier finden sich ein ehemaliger Berater von Arafat und eine Teilnehmerin an der Flottille. Dies ist die einzige Partei die einer völligen Räumung aller Besetzten Gebiete zustimmt.

Yesh Atid (Es hat eine Zukunft) Sieht sich als Zentrumspartei und als Interessenvertreter des säkularen Mittelstandes. Hat unter dem Motto "gerechte Aufteilung der Last" die Einberufung oder Zivildienst für Orthodoxe durchgesetzt. Befürwortet eine Fortsetzung der Verhandlungen mit den Palästinensern.

Kulanu (Wir alle) ist eine ganz neue Partei die von einem ehemaligen Likudnik geleitet wird. Dieser Herr Kachlon hat sich mit der Herabsetzung der Handytarife sehr beliebt gemacht und ist der Aspirant für den sehr unangenehmen Posten als Finanzminister.

Habait Hajehudi (Das Jüdische Heim) ist die geistige Heimat der Nationalreligiösen. Diese, als rechtsextremistisch in den ausländischen Medien verschriene Partei, möchte eine Annektierung der Zone C erreichen.

Shas (Sefardische Torawächter) die sektoriale Partei der sefardischen/orientalischen Juden die von Politik keine Ahnung haben und sowieso wählen was ihnen ihr Rabbiner vorschreibt.

Jahadut Hatora (Die Judenheit der Lehre) die sektoriale Partei der ashkenasischen Juden die von Politik keine Ahnung haben und sowieso wählen was ihnen ihr Rabbiner vorschreibt. Ihre Knessetmitglieder haben sich allerdings mit Erfolgen im Gesundheitswesen hervorgetan.

Israel Beiteinu (Israel ist unser Haus) war vor langen Jahren mal die geistige Heimat der zahlreichen Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Der Parteivorsitzende wird gerne in den westlichen Medien wegen seiner markigen Sprüche zitiert. Er wurde nach jahrelangen Ermittlungen vom Korruptionsverdacht freigesprochen. Seine Stellvertreterin und einige führende Parteimitglieder wurden vor kurzem wegen Korruptionsverdacht festgenommen.

Merez (Tatkraft) daß Linksaussen in der israelischen Parteienlandschaft. Hier finden die wohlhabenden Intellektuellen Schöngeister aus dem Tel Aviver Norden ihre geistige Heimat.

Zu erwarten ist daß die neue Regierung von Netanjahu gebildet werden wird. Sie dürfte wie folgt zusammengesetzt sein: Likut + Kulanu + Habait Hajehudi + Shas + Jahadut Hatora + Israel Beiteinu = 67 Sitze

Wenn die arabischen Israelis bereit wären zu koalieren könnte alles ganz anders aussehen: Das Zionistische Lager + Die Vereinigte Arabische Liste + Kulanu + Yesh Atid + Jahadut Hatora + Merez = 70 Sitze

Mittwoch, 12. November 2014

Rechte Regierungsparteien und ihre Parteiprogramme Version 1,1

Oft und gern wird in europäischen Internetforen über "rechte" israelische Politiker polemisiert. Dabei scheinen alle genau zu wissen was jene im Schilde führen. Ich bin zu dieser intellektuellen Leistung nicht in der Lage und habe daher nach den Parteiprogrammen Ausschau gehalten.
Ich halte die Bezeichnung rechts für schlichtweg falsch weil sich mit ihr allerlei Vorstellungen verbinden die den Blick auf die Tatsachen nur verstellen können. Für mich gibt es nur zwei Lager: einerseits jene die meinen als Stärkerer müsse man den ersten Schritt machen und Ungerechtigkeiten abstellen - ich nenne sie mal Optimisten. Andererseits jene die den Arabern ob der bisherigen Erfahrungen misstrauen - ich nenne sie mal Pessimisten.

Im Folgenden die Parteiprogramme der Zentrumsparteien und der Pessimisten:
Hatnuah Diese von Ariel Sharon gegründete Partei steht hinter der Räumung des Gazastreifens. Man war auch für eine einseitige Räumung der Zone C, abgesehen von den Siedlungsblöcken. Parteivorsitzende Tzipi Livni leitet im Namen der Regierung die Verhandlungen mit den Palästinensern – wenn sie denn stattfinden.

Yesh Atid Diese Partei, die von dem bekannten TV Talkshowmaster Yair Lapid gegründet wurde, befürwortet eine sofortige Verringerung der Investitionen in der Zone C und die Zwei-Staaten Lösung.

Likud Die erste Partei die mit den arabischen Nachbarstaaten Friedensverträge unterzeichnet hat. Im Juni 2009 hat sich Staatschef Benjamin Netanyahu in der sogenannten Bar-Ilan Rede (benannt nach der Universität an der sie gehalten wurde) für einen demilitarisierten Palästinenserstaat ausgesprochen. Jerusalem soll dabei ungeteilte Hauptstadt Israels bleiben. Ein Parteiprogramm findet sich im Internet nicht.
Der Wortlaut der Bar-Ilan Rede auf Englisch findet sich hier:

Israel Beiteinu Einem Zeitungsinterview mit Avigdor Lieberman zufolge schwebt ihm eine völlige Neuaufteilung des ehemaligen Mandatsgebietes vor. Vorwiegend von Arabern bewohnte Gebiete werden Teil eines Palästinenserstaates, vorwiegend von Juden bewohnte Gebiete werden Teil Israels. Problem ist dabei, daß auch von arabischen Israelis bewohnte Gebiete Palästinensisch werden. Er stützt sich aber auf UN Resolution 55/153 die 2001 von der Generalversammlung verabschiedet wurde. Demnach ist die Übertragung von Gebieten mit daraus folgender Änderung der Staatsangehörigkeit möglich. 2009 hat er sich für einen lebensfähigen Palästinenserstaat in der Zeitung "Haaretz" ausgesprochen.
"Nach einem Rückzug auf die Grüne Linie und die Teilung Jerusalems würden am nächsten Tag neue Forderungen kommen. Siehe Rückzug aus dem Gaza Streifen, der Konflikt würde sich von der West-Bank lediglich in den Großraum Tel Aviv verlagern…Die Palästinenser sind nicht bereit den Konflikt zu beenden.

Er (Abbas) hat uns bedrängt bei "Gegossenes Blei" die Hamas fertigzumachen und jetzt ist er beim Internationalen Gerichtshof in Haag gegen uns zu Gange.

Wenn ich von einem Israel ohne Araber spreche, also dasselbe wie Abu Masen nur umgekehrt, schreien und toben alle. Es ist Zeit die Wahrheit auf den Tisch zu bringen. Die vernünftigste Lösung ist ein Gebietsaustausch mit Bevölkerungstransfer. Mein Lösungsvorschlag ist der einzige der eine gerechte und vernünftige Antwort auf die komplexe Situation gibt. Wenn ich diesen Vorschlag den Großen dieser Welt unter vier Augen unterbreite verstehen alle daß dies die einzige Lösung ist. Leider sind sie derzeit nur hinter verschlossenen Türen bereit darüber zu sprechen. Aber so wie die meisten Israelis für diesen Plan sind so wird er sich auch weltweit durchsetzen."

Zu den Israelischen Arabern: "... wer sich als Palästinenser versteht der soll auch in einem Palästinensischen Staat leben."

Quelle: Interview von Ben Caspit mit Aussenminister Avigdor Liebermann, "Maariv" 3.6.11

 HaBait Hajehudi Die ideologischen Siedler sind Nationalreligiös und finden ihre ideologische Heimat bei HaBait Hajehudi. Parteivorsitzender ist Naftali Bennett.
Aus dem Parteiprogramm:
"... we will uphold the rights of Israel’s minorities, among them the Arab minority."
"We aim to give an equal start and equal opportunity to every Israeli child."
"... we will show determination in the face of a fifth column, and support the Arab citizens who seek the good of Israel."

Was den Israelisch-Palästinensischen Konflikt angeht wird auf die Hebräische Seite verwiesen. Hier wird ein 7-Punkte Plan vorgelegt auf den bisher 113 Talkbacks eingegangen sind. Desweiteren die Punkte:
Kein Vorschlag kann den Konflikt ein für alle Mal lösen.
1. Einseitige Annektierung der Zone C. Die Welt wird daß genauso wenig akzeptieren wie die Souveränität über die Klagemauer, die jüdischen Stadtteile von Jerusalem und die Golanhöhen, wird sich aber mit der Zeit daran gewöhnen. So werden wir vor einer Gefahr aus dem Osten geschützt sein.

2. 50.000 Palästinenser in der Zone C bekommen die israelische Staatsbürgerschaft. So muß keiner sein Haus verlassen.

3. Volle Autonomie in den von der PA verwalteten Gebieten. Keine Checkpoints, keine Soldaten. Einmalige Investition um ein zusammenhängendes Territorium zu schaffen (Brücken, Tunnels?) aber weiterhin gemeinsam genutzte Straßen. Durch Verbesserung der Lebensumstände der Araber kann internationaler und humanitärer Druck abgebaut werden.

4. Kein Rückkehrrecht für Palästinensische Flüchtlinge in einen Palästinenserstaat, da dies zu einer unumkehrbaren demografischen Katastrophe führen würde. Es wird darauf hingewiesen daß Nethanjahu sich in seiner Bar-Ilan Rede von 2009 für eine solche Möglichkeit ausgesprochen hatte.

5. Ein militärischer "Schutzschirm" über dem Westjordanland, also weiterhin Souveränität der IDF als Garant für Ruhe. Wenn die IDF rausgeht kommt Hamas rein, so geschehen im Gazastreifen und in Südlibanon mit der Hisbollah.

6. Völlige Trennung von Gazastreifen und Westjordanland. Eine solche Verbindung würde alle Probleme des Gazastreifens ins ruhige Westjordanland importieren. Der Gazastreifen soll schrittweise von Ägypten annektiert werden. Wir haben nicht 8000 Israelis von ihrem Haus vertrieben und den Streifen bis auf den letzten Zentimeter geräumt um nun die Verantwortung für diesen Streifen zu übernehmen.

7. Massive Investitionen in Arabisch - Jüdisches Zusammenleben. Verbesserung der Infrastruktur, gemeinsame Gewerbegebiete. Frieden wächst von unten - durch die Menschen.
Man muß zugeben, es gibt keine große Zuneigung zwischen Arabern und Juden vor Ort, aber beide Seiten wissen daß die anderen sich nicht in Luft auflösen werden. Es ist an der Zeit auf das Ideal zugunsten des Guten zu verzichten. Es ist an der Zeit das der Staat Israel Initiative ergreift.

Quelle:  http://www.myisrael.org.il/action/1352

Montag, 14. Juli 2014

  

Operation unerschütterliche Klippe

 
Es ist schon seltsam. Vor drei Wochen hatte meine Frau dienstlich in Ashdod zu tun und wir haben einen Familienausflug daraus gemacht da meine ältere Tochter ihr Abitur schon hinter sich hat und es dort zwei Shoppingcenter nebeneinander gibt. Heute ist die 30Km vom Gazastreifen entfernte Stadt unter ständigem Beschuss. Der Iron Dome lässt zwar praktisch nichts durch, aber bei jedem Alarm muß man doch sicherheitshalber in den nächstgelegenen Schutzraum. Am Mittwoch und Gestern waren wir dran. Man geht dann für 10 min. in den Schutzraum und schließt die Tür. Der Raum ist so geplant daß man geschützt ist sogar wenn eine Rakete ins Haus einschlägt, in unserem Fall fungiert er als Arbeitsraum. Ansonsten geht der Alltag, abgesehen von der Freizeitgestaltung, seinen gewohnten Gang. Hätte ich Angst würde ich es natürlich niemals zugeben denn genau daß will ja die Hamas, eigendlich bin ich aber eher stolz auf unseren Iron Dome.
 
Schaut man in die Medien um zu verstehen was vor sich geht, tragen die Bilder eher zur Verwirrung als zum Verständnis bei. Da heißt es einerseits daß die Hamas ganz Israel mit ihren Raketen beschießt, aber andererseits sieht man nur die Zerstörungen im Gazastreifen und die zahlreichen Toten und Verletzten dort. Genau daß ist das Ziel der Hamas. Premierminister Netanjahu hat das wesentliche in einem Satz zusammengefasst: Israel schützt seine Zivilisten mit Raketen, Hamas schützt seine Raketen mit Zivilisten.
Desweiteren eine Zusammenstellung wie dieser Waffengang in den Israelischen Medien gesehen wird. Denen zufolge gibt es im Gazastreifen mehrere tausende Raketen die unter öffentlichen Gebäuden gelagert sind. Hamas und der Islamische Jihad schießen diese Raketen auf Israel, die jetzt das ganze Land abdecken können. Israel kann natürlich nicht tatenlos zusehen daß seine Bürger gefährdet werden, auch wenn der Iron Dome den Eindruck erweckt es würden lediglich Feuerwerkskörper abgeschossen. Hamas hat einige hundert M-75 Raketen. Dies ist eine Eigenentwicklung, die Zahl gibt die Reichweite an - also bis nach Tel Aviv und Jerusalem. Desweiteren hat man versucht mit Hilfe von langen Tunnels und mit Froschmännern vom Meer aus Israelis zu entführen, wie schon 2006 mit Gilad Shalit geschehen. Die Tunnels wurden entdeckt und gesprengt, die Froschmänner liquidiert.
Nethanjahu und die IDF sind klug genug um zu wissen daß zu viele tote Palästinenser unser ohnehin angeschlagenes Image noch weiter verschlechtern würden. Daher wird versucht möglichst gezielt vorzugehen. Als Gegenmaßnahme bombardiert die israelische Luftwaffe die Stellen von denen die Raketen abgeschossen wurden, vermutete Lagerstätten von Raketen und Wohnhäuser von Hamas und Islamischer Jihad Aktivisten. In allen Fällen werden die Bewohner vorher per SMS aufgefordert das Gebäude zu verlassen und/oder es wird eine Rakete ohne Sprengkopf auf das Dach gefeuert. Die Aktivisten sitzen ohnehin in Bunkern die tief in den Sand gegraben sind. Man hört auch von den Pannen wenn das falsche Haus bombardiert wurde oder ein Heim für Geistig Behinderte die nicht in der Lage waren den Spielregeln entsprechend zu handeln. Im Moment sind die Bewohner von Beit Lahia aufgefordert den Ort zu räumen da die IDF plant dort eine Aktion am Boden auszuführen.
 
Was sich abspielt ist ein Asymmetrischer Krieg. Eine ordentliche, gut ausgerüstete Armee geht gegen eine Terrororganisation vor. Letztere hat nur Offensivwaffen, nicht etwa weil die Mittel nicht reichen - wie sich gerade zeigt mangelt es nicht an Raketen -, sondern weil Zivilopfer Teil der Strategie sind. Und so werden Raketen in öffentlichen Gebäuden gelagert und von ihnen aus abgeschossen. Laut Kriegsrecht können Gebäude in denen Waffen lagern angegriffen und zerstört werden. Aber mit Bildern der Opfer lässt sich die Weltmeinung vorzüglich gegen Israel lenken. Wie sehr diese Taktik nicht mal im Interesse der Zivilbevölkerung in Gaza ist zeigt folgende Aussage: laut Militärkorrespondentin bei Reshet Bet - Israels populärstem Radiosender, treffen von all den hunderten abgeschossenen Raketen nur 2% wirklich etwas. Um 88% kümmert sich unser Iron Dome (der jetzt nochmehr Kaufinteressenten finden wird). Und die übrigen 10% der Raketen? Die fallen in den Gazastreifen - also mehr als auf Israel.
 
Die Hamas hat im Moment einen schweren Stand weil sie keine Unterstützung mehr aus Syrien und aus Ägypten mehr bekommt. Die ersteren bekämpfen jetzt Sunniten im eigenen Land und bei den letzteren sind die Moslembrüder nicht mehr an der Macht. Militärische Erfolge gegen Israel könnten das angeschlagene Image aufpolieren und so neue Finanzierungsquellen erschließen. Dazu muß man wissen daß die Hamas nicht nur eine Terrororganisation ist sondern wegen dem religiösen Hintergrund sich auch um Wohlfahrt kümmert. Ja, auch den Moslems ist Barmherzigkeit und Fürsorge ein Begriff. Hamas ist also auch Arbeitsamt, Krankenhaus, Kindergarten, Rentenversicherung... Die Frage ist allerdings ob die Religion und die daraus folgende Fürsorge echt ist oder ob sie nur benutzt wird um Anhänger um sich zu scharen. Die Hamas hat die Wahlen im Januar 2006 nicht nur gewonnen weil Palästinenser im Gazastreifen angriffslustiger sind als im Westjordanland, sondern weil die Beamten der PA von Abbas wohl ziemlich korrupt waren. Korrupt bedeutet hier aber nicht unbedingt daß jemand aus niederen Beweggründen in die eigene Tasche arbeitet. Da die Familienbande wesentlich weiter reichen als in Europa üblich, kann sich so mancher veranlasst sehen seine eigenen Leute zu bevorzugen. Im Juni 2007 brachte die Hamas den Gazastreifen dann gewaltsam unter ihre Kontrolle, mit ihrer Legitimität ist es also nicht so weit her.
 
Im Moment scheinen beide Seiten kein allzugroßes Interesse an einem schnellen Ende dieses Waffenganges zu haben. Israel möchte die Hamas derart schwächen daß sie sich davon nicht mehr erholt, auch soll eine ausreichende Abschreckung erzielt werden damit eine erneut vereinbarte Waffenruhe auch lange genug anhält. Stoppt man zu früh - die Hamas würde ihr Waffenarsenal wieder auffüllen und in ein paar Monaten wären wir wieder am Anfangspunkt. Wie gesagt, je mehr Zerstörung und Zivilopfer auf palästinensischer Seite zu beklagen sind desdo schlechter steht Israel vor der Weltöffentlichkeit da und desdo besser für die Hamas. Israelischen Medien zufolge sind ein Teil der veröffentlichten Bilder garnicht aus dem Gazastreifen sondern aus Syrien und aus dem Irak. Im Hintergrund scheint es aber doch Gespräche darüber zu geben wer die Vermittlerrolle übernehmen könnte. Kandidaten sind die Türken, die Qataris und die Ägypter.
 
Wäre es möglich eine konkurrierende Wohlfahrt zur Hamas einzurichten hätte man eine Chance die Hamas bis zur Bedeutungslosigkeit zu schwächen und so die Lage dauerhaft zu beruhigen. Man kann aber nicht von Israel verlangen sich um das Wohlergehen von über 1,5 Millionen Gazastreiflern zu kümmern. UN Soldaten vielleicht, von irgendwoher, die die lokalen Eigenheiten nicht kennen und sich zurückziehen sobald es brenzlig wird, wie z.B. die aus Fiji und Österreich die die Grenze zwischen Israel und Syrien geräumt haben als es ungemütlich wurde? Nein danke. Für realistisch halte ich (unter Missachtung demokratischer Spielregeln) die Verwaltung durch die PA unter dem wachsamen Auge der Ägypter. Beides Araber, beide mögen die Islamisten nicht, beide haben gezeigt daß sie Abmachungen länger als eineinhalb Jahre einhalten können. Verantwortungsbewusste Araber die andere Araber dazu anhalten vernünftig zu handeln.